Festivalbericht: Vainstream 2008

Vergangenes Wochenende war ich in Münster. Dort fand das mittlerweile dritte Hardcore und Punk-Festival Vainstream statt.
Normalerweise sind die Tage an denen ich Platten aufgelegt habe mit Bands wie Sick of it All, Madball, oder Negative Approach schon länger vorbei, aber ein guter alter Schulfreund hat mich eingeladen und warum nicht die alten Heroen mal wieder live erleben ?

Wie es sich für richtige Festivalbesucher gehört, haben wir uns einen Tag vorher im Münsterner Mercure Hotel (****) einquartiert. Am Morgen des 28.6. dann auf zum exquisiten hoteleigenen Frühstücksbuffet und danach los zum Festivalgelände. Ab 9.00h war Bändchen-Abholen angesagt.
Am Bändchen-Bus hat sich schon eine leckere Schlange gebildet. Das gefühlte Durchschnittsalter der Kids lag wohl so zwischen 16 und 20 Jahren. Ich kam mir schon ein wenig alt vor. Und ich hatte noch nicht mal ein Bandshirt an… Mann ! Naja, was hätte ich auch anziehen sollen ? Mein verstaubtes Beatles-Shirt ? Eher nicht !
Eigentlich sah das heutige Hardcore-Konzert-Klientel noch genauso aus wie früher, nur dass heute jeder sein schwarzes Designer-Handy dabei hatte.

Pünktlich um 10.00h waren wir auf dem Gelände. Um 10:30 spielte die erste Band: Callejon.

Noch nie von denen gehört. Der Sound war bei diesem ersten Gig noch nicht so perfekt, aber was man heraushören konnte war ganz nett, lecker Slayer-Gitarren, mit Hatecore-Vocals. Das gute an dieser deutschen Band war, dass die sich nicht so wirklich ernst genommen haben. Ein schöner Festivaltag-Einstieg.
An den zweiten Gig kann ich mich garnicht mehr erinnern. Aber an den dritten: Das waren The Grit aus England (das war nicht zu überhören). Nette Ska-Punks, mit ‘nem echt abfgefahrenen Kontrabass-Maniac, der sein Instrument akrobatisch behandelte. Normalerweise ist das so überhaupt nicht meine Musik, aber an diesem Tag war das echt gut.

Danach spielten Bring Me The Horizon, ich glaube die waren auch aus England. Als die auf der Bühne standen musste ich seltsamerweise zuerst an Tokyo Hotel denken (man möge es mir verzeihen). Aber die Burschen waren sicherlich nicht älter als 16 oder 17. Aber dafür zogen die gut was vom Leder. Der Sänger (oder eher Shouter) hatte für sein Alter und seine Körperstatur eine Wahnsinnsstimme, sein Problem war nur, dass er sich mit Sicherheit selber nicht leiden kann. Naja, lustiger Auftritt.

Danach machten wir erstmal ne kurze Pause und aßen ein Stück Pizza und guckten uns die zahlreichen Merchandising-Stände an. (Minor Threat und Negative Approach T-Shirts konnte ich ergattern.)

Pünktlich um 13:40h kamen endlich meine geheimen Headliner auf die Bühne und legten den für mich definitiv besten Auftritt des Festivals hin: NEGATIVE APPROACH. Sie sahen aus wie die ZZTop des Hatecore. Wenn mich nicht alles täuscht war dies die Original-Besetzung, die auch schon vor 25 Jahren den ersten Longplayer zusammen eingespielt hat. Hier gabs keine albernen Tanzeinlagen auf der Bühne, keine Anfeuerungen wie “Clap Your Hands in the Air” -> Wir sind hier ja auch nicht beim Roberto Blanco Konzert, echt !!) John Brannon, der Sänger der Negative Approach hatte die ganze Zeit keine Miene verzogen, nur verachtend in die Menge gestarrt und sein Set runtergebrüllt. Der Gitarrist stand die ganze Zeit mit dem Rücken zum Publikum….grandios. Danke dafür !!

Folgendes Video ist leider nicht vom Vainstream, aber auch aus diesem Jahr:

Ansonsten fand ich noch positiv die Auftritte von Madball, Comeback Kid und natürlich Sick of it All. Interessant waren auch Coheed and Cambria aus New York, die ganz netten Metal spielten. Der Sänger (übrigens ein guter Sänger) hat mich vom Aussehen ein wenig an King Buzzo von den Melvins erinnert, coole Frisur !

Der Auftritt von Tiger Army war irgendwie entäuschend. Obwohl mir die Musik ganz gut gefiehl, war der Sound einfach viel zu dünn und zu leise. Evntl war auch der Zeitpunkt des Auftritts falsch gewählt, Ich weiß es nicht…

Insgesamt ein gutes Festival, auch wenn ich danach ganz schön alle war. Ich glaube ich bin doch zu alt für solchen Hardcore-Geschichten. Allein schon diese neumodischen Akrobatnummer vor der Bühne. Jede zweite Band hat das Publikum zu einer “Wall of Death” und einem “Circlepit” aufgefordert. Ich habe davon vorher noch nie gehört und muss sagen, dass das ein ziemlich bescheuerter Scheiss ist, echt.

Ansonsten hat es trotzdem Spass gemacht, die Location war gut, die Bands waren meistens gut, das Essen war ok, und das Bier war auch kalt….Und zum Schluss nochmal eine Übernachtung im 4-Sterne Hotel !


 
 
 

2 Kommentare zu “Festivalbericht: Vainstream 2008”

  1. poggendiger
    23. Juli 2008 um 14:28

    ich find diesen neu modischen kack auch ziemlich behämmert früher wurde gesagt ey lasst uns pogen und gut war.

    mfg herr poggendiger

  2. admin
    25. Juli 2008 um 14:15

    yepp, stimmt. Vor allen Dingen nimmt das ganze richtig seltsame Ausmaße. Als ich wenige Tage nach dem Festival mal ins festivaleigene Forum rumgelesen habe mußte ich mit Entsetzen feststellen, dass die Kids dort von ihren “Moves” vor der Bühne gesprochen haben oder vom “performen der moves” .. Oh ha !

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