“We can’t solve problems by using the same kind of thinking we used when we created them.”
Albert Einstein
Albert Einstein
Ja, so sieht’s aus: Moleskine Nutzer vergöttern Ihr kleines Notizbuch ebenso wie Apple-Jünger Ihre iMacs und MacBooks. Woher kommt dieser Kult ? Wieso gibt man gerne über 11€ für Notizbuch aus ?

Das Moleskine ist ein Notizbuch, dessen heutige Form auf ein in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Pariser Künstler- und Literatenszene beliebtes Notizbuch zurückgeht, das von einem kleinen Schreibwarenhändler in Tours vertrieben und wegen seiner schlichten Funktionalität geschätzt wurde. Zu jener Zeit gab es die Marke “Moleskine” wie man sie heute kennt natürlich noch nicht.
Dort wurden halt die kleinen schwarzen Notizbücher aus der oben erwähnten Schreibwarenhandlung in Tours geschätzt und von Künstlern wie Oscar Wilde, Vincent Van Gogh, Pablo Picasso, Ernest Hemingway und Henri Matisse verehrt und regelmäßig benutzt.
Im Jahre 1997 wurde das Moleskine zu neuem Leben erweckt. Die Firma Modo & Modo Spa brachte das berühmte Notizbuch wieder auf den Markt. Der Name Moleskine entstammt dem früheren Material des Einbandes, das angeblich aus Maulwurfshaut (MoleSkin) bestand.

Wenn man nun der Werbung glaubt, haben namhafte Künstler und Schriftsteller dieses kleine, leere Buch benutzt um ihre Gedanken festzuhalten. Der englische Schriftsteller Bruce Chatwin schrieb in einem seiner Reisebücher, dass er sich in Paris regelmäßig mit den Moleskines eingedeckt habe, bis der beschrieben kleine Schreibwarenladen seine Pforten schloss und es diese Notizbücher nirgendwo mehr gab.
Diese Geschichte benutzte man dann bei Modo & Modo um das Moleskine zu vermarkten. Das Produkt schlug ein wie eine Bombe. Die Notizbücher haben sich zu einem überaus begehrten und beliebten Lifestyle-Produkt entwickelt. Fragt man Designer, Schriftsteller, Künstler, quasi alle kreativen Menschen, was sie regelmäßig in ihren Taschen dabei haben, ist mit Sicherheit ein Stift nebst Notizbuch dabei. Und in 90% ist dieses Notizbuch ein Moleskine.
Keine Frage, das Moleskine ist ein schönes Produkt. Es fühlt sich gut an und ist gut verarbeitet (auch wenn es mittlerweile in China fabriziert wird). Aber es gibt viele andere gut verarbeitete Notizbücher auf dem Markt. Ist einzig allein diese romantische Geschichte ausschlaggebend für den Erfolg ?
Mit Sicherheit war sie es und ist es auch immer noch, denn es inspiriert einfach, wenn man sich selbst mit den kreativen Größen unserer Zeit vergleichen kann und dann auch noch ihre Werkzeuge benutzt. Aber mittlerweile kommt ein weiterer großer Faktor hinzu: Wenn man bei Google nach Moleskine sucht, bekommt man ca. 5 Millionen Treffer. Wenn man z.B. als anfänglicher WebDesigner nach Möglichkeiten sucht Ideen festzuhalten, steht das Moleskine an erster Stelle, nicht das Notizbuch, nein - das Moleskine Notizbuch.
Diese Marke hat sich in gewissen Kreisen als quasi-Standard entwickelt. Und wer will nicht gerne dazu gehören ? Hier werden gestandene, kreative und erfolgreiche Menschen zu Lemmingen. Mein Vorrat muss auch wieder aufgefrischt werden…
8:00h Ich betrete mein Büro und setze mich an meinen Schreibtisch. Steckdosenleiste einschalten und MacBook starten. Zunächst erstmal öffne ich die ToDo-Liste. Ok, vier nicht gerade unwichtige Aufgaben stehen an. Was sagt der Kalender ? Ah, zwei Anrufe…privater Natur.
1.Aufgabe: Ein Photoshop Design. Nur eine Seite eines größeren Projektes. Das sollte etwas 2 Stunden in Anspruch nehmen. Erstmal das eMail-Programm gestartet. Hmm drei mails. Eine Kundenanfrage…könnte ein neuer Auftrag werden. Gleich mal beantworten. TweetDeck gestartet. Kurz durch die Tweets geschaut…allerlei toller Einträge, schnell mal einige Links in die Bookmarks aufgenommen - unter “unread”.
9.00h Photoshop gestartet. Skizze des Designs aus der Schublade geholt … Thunderbird meldet eine neue eMail, wie von selbst klickt der kleine Pfeil auf das Icon. Oh neuer Kommentar auf einem meiner Blogs. Klick - beim Blog eingeloggt. Interessant, schnell mal darauf antworten. Dann auf den Link des Kommentators geklickt. Die Webseite einer WebDesign-Agentur aus Dortmund öffnet sich … tolle Arbeiten im Portfolio…
9:30h Zeit für einen Snack.
9:45h Wollte ich nicht gestern noch diesen Artikel lesen ? Der kann mir doch bei meinem Design recht hilfreich sein. Klick klick … Das ist doch mal eine guter Texteffekt für einen Blogheader … scroll scroll.. naja, vielleicht für ein nächstes Projekt.
10:30h Photoshop, Die ersten Pixel gez…TWEET…eichnet. TWEET…Die Farben sind gut…Welche Schrift habe ich mir überlegt ? Passt die wi…TWEET..rklich? Oh, der Tweet klingt gut, mal anklicken den Link….
11:00h Neue eMail….Antwort des potenziellen Kunden von vorhin. Er wünscht einen Zeitplan. iCal geöffnet…oh der Telefonanruf .. gleich gleich … Zeitplan Zeitplan, vor Weihnachten jedenfalls nicht mehr. Klick klick … Telefonhörer…
11:30h Ich muß meine Tochter vom Kindergarten holen
Mittag
13:00h Photoshop…TWEET. Ich schalte TweetDeck ab.
14:30h Das Design ist fertig … ToDo-Liste .. klick … Datenbank planen. Anforderungsliste rausgekramt … RRRiiingg .. “Ja ? …“
15:00h Datenbank…
17:00h Was steht noch an ? Achja, Umsatzsteuer für den letzten Monat … hmm … noch zwei Tage Zeit. Facebook ? Klick…
17:30h Umsatzsteuer…
18:00h Abendbrot
18:30h Tochter eine Geschichte vorlesen und ins Bett bringen.
19:15h “Schatz gucken wir nachher den Weihnachtsfilm ? ” … “Ja, aber etwa später, ich muß noch….“
19:30h ToDo-Liste checken und letzte Aufgabe von heute auf morgen verschieben. Noch zwei Aufgaben für morgen eintragen.
19:50h Weihnachtsfilm ? Nee, einloggen bei Wordpress … Neuer Artikel … “Ich prokrastiniere…”