Ist digitale Musik besser als die gute alte Schallplatte oder auch die gute alte CD ? Es gibt mit Sicherheit Vorteile und auch ich nutze mittlerweile die Vorzüge des mp3-Formats und 2,5″-Festplatten. Aber ein Problem beschäftigt mich seit Monaten und ich bin mir sicher, dass es vielen so geht.

Dieses ganze Gelabel von wegen, “Ich muß aber etwas in der Hand halten, ein Cover oder ein Textblatt, blablabla” halte ich mittlerweile für reichlich abgegriffen. Das Problem ist eher der leichte Zugriff, ja schon fast die Flut von Angeboten, die einem geboten werden. Man kann mp3s von Radiosendern mitschneiden, es gibt jede Menge Streaming-Seiten, nicht zu schweigen von den P2P-Netzwerken oder andere Möglichkeiten der illegalen Musikbeschaffung, iTunes, Musicload…. Es dauert nur wenige Minuten und schon ist haufenweise neue Musik verfügbar.
Das ganze ist einerseits natürlich ein Schlaraffenland für Musikfans wie ich es einer bin, aber andererseits macht dieser Overkill vieles kaputt.
Wenn ich als Jugendlicher eine Platte gekauft habe (das kam vielleicht 2mal im Monat vor), dann habe ich das Album gehört , bis ich es auswendig konnte. Ich kannte alle großartigen Stellen und alle schwachen Stellen, ich konnte mitsingen und alle wichtigen Stellen auf der Luftgitarre nachjudeln. Das Album wurde auf Tape überspielt und an alle Freunde verteilt, umgekehrt genauso. Falls man mal ein Album erwischt hat, was nicht so gut war, wurde es so oft gehört, bis man es trotzdem gut fand…
Die meisten Alben aus dieser Zeit besitze ich heute noch. Sie sind quasi meine Referenzen. Sie sind in meinem Kopf festgebrannt. Heute ist das anders, ich bekomme im Monat sicherlich 15 Alben zu hören, oberflächlich, kurz mal reingehört, für einigermaßen gut befunden und abgelegt… Die Quellen sind ganz unterschiedlich, von Freunden kopiert, bei Musicload gekauft, selten mal ‘ne CD dabei, illegal besorgt…
Ich höre Musik einfach nicht mehr so bewußt wie früher. Es ist ganz selten, dass mich ein Album wirklich mal umhaut, fesselt, immer wieder gespielt wird. Die Auswahl an Bands gab es damals genau wie heute, aber man hat besser ausgewählt, weil man auch in den Plattenladen musste.
Klar, ich könnte natürlich sagen, pffff, dann gehe ich halt 2mal im Monat in den Plattenladen und dämme somit dem Overload an Musik ein. Leichter gesagt, als getan… Schon beim täglichen Lesen meiner Stammblogs werde ich mit interessanten neuen Bands überhäuft. Man will ja auch nichts verpassen. Das alles bewußt zu hören geht schon rein zeitlich garnicht. Ein Dilemma !